Seminar Empfehlung
Sicht der Diabetologie
Sicht der bariatrischen Chirurgie
Sicht der Pneumologie
Referent:in
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Campus Kiel
Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährungsmedizin
Oberarzt, Bereichsleitung
Referent:in
KSA Spital Zofingen
Leitende Ärztin Chirurgie, Fachärztin für Chirurgie, spez. Viszeralchirurgie, insb. Bariatrie FEBS Neck Endocrine Surgery
Referent:in
Kantonsspital Aarau
Pneumologie und Schlafmedizin
Chefarzt
In diesem interdisziplinären Vortrag beleuchten Prof. Matthias Laudes aus Kiel, Dr. Martina Pabst aus Zofingen sowie Prof. Hans-Joachim Kabitz aus Aarau die Adipositas aus diabetologischer, bariatrisch-chirurgischer und pneumologischer Perspektive.
Prof. Laudes eröffnet den Vortrag aus diabetologischer Sicht und betont, dass Adipositas als chronische endokrine Erkrankung zu verstehen ist, die keiner kurzfristigen Monotherapie, sondern eines langfristigen und strukturierten Therapiekonzeptes im Sinne einer „tight disease control“ bedarf. Dieses umfasst sowohl eine kurzfristige interventionelle Schubtherapie als auch eine dauerhafte Basistherapie. Die Bedeutung dieses Therapieansatzes wird anhand der Ergebnisse der Look AHEAD-Studie verdeutlicht und bildet zugleich die Grundlage des neuen Disease-Management-Programms (DMP) Adipositas. Als Basistherapeutika kommen insbesondere Inkretin-basierte Therapien, vor allem GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid, zum Einsatz. Darüber hinaus können bei bestehenden Komorbiditäten individualisierte und personalisierte Therapieansätze implementiert werden. Abschließend hebt Prof. Laudes hervor, dass Adipositas aufgrund ihres chronischen Charakters einer lebenslangen therapeutischen Begleitung bedarf.
Im zweiten Teil des Vortrags thematisiert Dr. Pabst den Stellenwert der bariatrischen beziehungsweise metabolischen Chirurgie. Dabei erläutert sie die Vorteile einer nachhaltigen Gewichtsreduktion sowie die signifikante Reduktion des Mortalitätsrisikos um etwa 50 %. Gemäß den aktuellen Empfehlungen der International Federation for the Surgery of Obesity and Metabolic Disorders ist eine metabolische Chirurgie indiziert, wenn konservative Therapieansätze keinen ausreichenden Erfolg zeigen. Die bariatrische Therapie wird hierbei als mehrphasiger Prozess dargestellt, bestehend aus einer präoperativen Vorbereitungsphase von etwa drei bis vier Monaten, der operativen Phase mit stationärem Aufenthalt sowie einer lebenslangen postoperativen Nachsorgephase. Letztere reflektiert die Chronizität der Adipositas-Erkrankung und die Notwendigkeit einer langfristigen interdisziplinären Betreuung. Abschließend formuliert Dr. Pabst praxisorientierte Empfehlungen für die hausärztliche Betreuung sowohl in der präoperativen als auch in der postoperativen Phase.
Im letzten Abschnitt betrachtet Prof. Kabitz die Adipositas aus pneumologischer Perspektive. Er weist insbesondere darauf hin, dass bei adipösen Patient:innen eine sorgfältige klinische Untersuchung der Lunge essenziell ist, da aufgrund des erhöhten Körpergewichts pathologische Atemgeräusche häufig erschwert auskultierbar sind und relevante pulmonale Komorbiditäten, beispielsweise eine Lungenfibrose, leicht übersehen werden können. Darüber hinaus betont er die diagnostische Bedeutung der Blutgasanalyse, deren Durchführung jedoch in vielen hausärztlichen Praxen limitiert ist. Bei Patient:innen mit ausgeprägter Adipositas treten zudem gehäuft respiratorische Insuffizienzen auf, darunter hypoxämische respiratorische Insuffizienz (Typ I) sowie hyperkapnische respiratorische Insuffizienz infolge eines Versagens der Atempumpe.
Indikationen
Adipositas
Chronic Kidney Disease (CKD)
MASH
MASLD
Metabolic Dysfunction-associated Steatohepatitis (MASH)
Metabolic Dysfunction-associated Steatotic Liver Disease (MASLD)
Schlafapnoe
Typ 2 Diabetes
Wirkstoffe
Orlistat
Semaglutid
Tirzepatid
Schlagworte
Bariatrische Chirurgie
DMP Adipositas
HbA1c
Look AHEAD
Metabolische Chirurgie
Mini Gastric Bypass
Roux-Y-Bypass
S3-Leitlinie Adipositas - Prävention und Therapie
Schubtherapie
Sleeve Gastrektomie